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Multi-Club Ownership: Crystal Palace - erst Rauswurf, jetzt Europapokalsieger

Multi-Club Ownership: Crystal Palace – erst Rauswurf, jetzt Europapokalsieger

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Stand: 27.05.2026 • 23:03 Uhr

Crystal Palace beschwerte sich bitterlich, als der Klub von der UEFA aus der Europa League in die Conference League herabgestuft wurde – und hat den Wettbewerb jetzt gewonnen.

Crystal Palace bemühte sich, das Spiel mit viel Pathos aufzuladen. Das Endspiel der Conference League in Leipzig gegen Rayo Vallecano war das erste europäische Finale des Klubs. Palace-Trainer Oliver Glasner sagte: “Wir sind 90 Minuten davon entfernt, Geschichte zu schreiben. Das ist ein unbekanntes Gelände, ein europäisches Finale. Das ist ein Moment, den wir uns gemeinsam erarbeitet haben.” Nun ist Palace nach dem Sieg gegen Rayo Vallecano ein Europapokalsieger.

Crystal Palace ist ein Klub, der in seiner Geschichte viel erlebt, aber lange Zeit wenig gewonnen hat. 2025 änderte sich das. Große Emotionen begleiteten den FA-Cup-Sieg 2025 und jetzt ist Crystal Palace ein Europapokalsieger. Doch zwischen den beiden Titeln lag eine Menge Ärger. Denn mit dem Sieg im FA-Cup war eigentlich ein Platz in der Europa League verbunden – eigentlich.

Jefferson Lerma von Crystal Palace mit der Trophäe nach dem Gewinn des FA Cups 2025

Verbotene Strukturen – UEFA schloss Palace aus der Europa League aus

Denn die UEFA schloss Crystal Palace aus dem Wettbewerb aus und degradierte den Klub in die Conference League. Der Grund: Der amerikanische Fußballinvestor John Textor besaß zum einen Olympique Lyon in Frankreich und hatte über eine Beteiligung an Crystal Palace auch dort Einfluss.

Diese Mehrfachbeteiligung, genannt “Multi-Club Ownership” (MCO), wurde Palace zum Verhängnis. Nur einer der Textor-Klubs durfte mitspielen, für die UEFA ging es um die Glaubwürdigkeit des Wettbewerbs. Lyon erhielt wegen einer besseren Platzierung in der Liga den Vorzug.

Das entscheidende Detail: Palace und Textor hatten es verpasst, zur gesetzten Frist die Anteile auf ein Treuhandkonto zu schieben. Diese Möglichkeit hält die UEFA den Klubs aus MCO-Netzwerken offen, um sie zumindest offiziell für die Saison voneinander zu entflechten und spielen zu lassen. Ein Riesenärger brach los.

Die Fans von Crystal Palace protestieren gegen die UEFA

Massive Proteste gegen die UEFA

“Es ist, als würdest du im Lotto gewinnen. Dann gehst du gehst zum Schalter – und bekommst den Gewinn nicht”, sagte Steve Parish, der Vorsitzende des Klubs, dessen Fans massiv gegen die UEFA protestierten. “Ich glaube, niemand im Fußball will so etwas sehen: Klubs, die sich rechtmäßig für einen Wettbewerb qualifiziert haben, werden aufgrund der lächerlichsten Formalität, die man sich vorstellen kann, von diesem Wettbewerb ausgeschlossen.”

Steve Parish, Vorsitzender von Crystal Palace

Textor verkaufte seine Anteile noch, aber die Frist war verpasst und die Entscheidung der UEFA hatte Bestand. Palace klagte beim internationalen Sportgerichtshof und wurde auch dort zurückgewiesen – der Klub wurde aus der Europa League in die Conference League herabgestuft. Auch andere Klubs durften nicht wie geplant starten. Drogheda United aus Irland und Dunajská Streda aus der Slowakei durften beide nicht an der Conference League teilnehmen. Der prominenteste Fall blieb aber der von Palace.

Multi-Club Ownership

Multi-Club Ownership ist der Besitz oder die Beteiligung eines Eigentümers an mehreren Klubs. Die möglichen Vorteile für die Besitzer und Risiken für den Wettbewerb gehen weit über den Verdacht auf abgesprochene Spiele hinaus. Transfers innerhalb eines Netzwerks von Klubs einer Mehrfachbeteiligung könnten zu Preisen getätigt werden, die den Bedürfnissen der Investoren entsprechen – und nicht den tatsächlichen Marktwerten. Auch der Zeitpunkt ist wählbar. So können Steuern umgangen oder Financial-Fairplay-Regeln zumindest auf dem Papier eingehalten werden. Klubs können zu Farmteams degradiert werden, die der Spitze ihrer Pyramide dienen. Für Fans kann die Identität ihrer Klubs verloren gehen. Die dänische Initiative “Play the game” erhob zuletzt eine Zahl von 236 Klubs in Europa, die Teil von solchen Netzwerken sind. Die meisten Teams aus Deutschland sind durch die 50+1-Regel weitgehend vor einer vollständigen Übernahme geschützt

Conference League – vom Ärgernis zum Glücksfall

Lange Zeit spielte der Klub in der ungewollten Conference League durchwachsene Saison. In der Qualifikation gab es einen mühevollen Sieg gegen Frederikstad aus Norwegen (1:0/0:0). In der Ligaphase verlor die Mannschaft zu Hause gegen AEK Larnaka aus Zypern und bei Racing Straßburg aus Frankreich. Die direkte Qualifikation für das Achtelfinale vergab das Team mit einem 2:2 zu Hause gegen Kuopion PS aus Finnland.

Auch in der K.o.-Runde tat sich Palace schwer. Zrinjski Mostar aus Bosnien-Herzegowina in den Playoffs und im Achtelfinale erneut AEK Larnaka holten zumindest jeweils im Hinspiel ein Unentschieden gegen den Premier-League-Klub. Erst im Viertefinale gegen AC Florenz und im Halbfinale gegen Dynamo Kiew begann Palace, einigermaßen zu überzeugen – und landete im Endspiel von Leipzig, das der Klub nun gewann.

Jaydee Canvot von Crystal Palace versucht im Spiel gegen AEK Larnaca den Ball zu kontrollieren

Und plötzlich ist die Conference League beliebt geworden, die Fans von Crystal Palace erfanden ein Lied zur Saison: “Wir sind auf dem Weg nach Leipzig. Wie sind wir dahin gekommen? Weiß ich nicht, ist mir egal. Alles was ich weiß ist: Palace ist auf dem Weg!”

Die Ironie: Der Sieg bringt einen Platz in der Europa League

Mit dem Sieg gegen Rayo Vallecano hat der Klub nun seinen ersten Europapokal gewonnen. Trainer Oliver Glasner, der mit Crystal Palace den FA-Cup und nun die Conference League gewann, sagte vor dem Spiel, dass er sich den Sieg auch aus einem bestimmten Grund wünsche: “Dann würden die Spieler nächstes Jahr in der Europa League spielen, und wir bekämen das, was wir eigentlich schon dieses Jahr hätten bekommen sollen.

Oliver Glasner während des Conference-League-Finals an der Seitenlinie

Auch das ist eine Regel der UEFA: Der Sieger der Conference League spielt in der folgenden Saison automatisch in der Europa League – wenn nicht noch niemand was dagegen hat.

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